Wem soll ich es erzählen?


Am Anfang nur den Leuten, die es Deiner Meinung nach wirklich wissen sollen.


Das Coming Out ist nicht etwas, das Du irgendwann machst, und dann ist es erledigt. Vielleicht erzählst Du es jetzt Deiner Familie, aber Deinen Freunden erst viel später, oder umgekehrt. Vielleicht erzählst Du es nur einem Elternteil, oder einem Bruder oder einer Schwester, und erst später dem Rest der Familie.


Die Leute, denen Du es zuerst erzählst, sollten diejenigen sein, denen Du am meisten vertraust. Du musst Dir sicher sein, dass sie Dich nicht verletzen, dass sie Dich so akzeptieren, wie Du bist, und dass sie Deine Privatsphäre respektieren und es niemandem weitererzählen, bei dem Du nicht willst dass er es weiß.


Denke darüber nach, was Du verlieren könntest, wenn Du es einer bestimmten Person erzählst.
Wenn es Deine Eltern wären, würden sie Dich aus dem Haus werfen? Dich von Deinen Freunden fernhalten?
Wenn es ein Freund ist, würde er sich von Dir zurückziehen? Würde er es anderen erzählen? Was würde geschehen, wenn er es täte?


Denke aber auch darüber nach, was Du verlieren könntest, wenn Du es einer bestimmten Person nicht erzählst. Ist das Verhältnis zu Deinen Eltern oder Freunden gespannt, weil Du etwas vor ihnen verheimlichst? Wärest Du ihnen näher, und würdest Du nicht mehr Unterstützung von ihnen erwarten können, wenn sie verstehen könnten, wodurch diese Spannung hervorgerufen wird?


Denke darüber nach, was Du ihnen in der Vergangenheit bereits alles anvertraut hast und wie sie darauf reagiert haben. Wenn es Leute gibt, denen Du es erzählen willst, aber Du weißt nicht, wie sie reagieren werden, dann versuche, Dich in sie hineinzufühlen. Rede mit ihnen über ein Buch, einen Film oder eine Fernsehsendung über Homosexuelle. Verwende dazu die Fragen, die auch im Kapitel "Ich fühle mich so alleine!" aufgeführt sind.


Halte Dir dabei aber immer vor Augen, dass die Reaktion einer Person betreffend irgendeinen Homosexuellen in einem Film nicht unbedingt die gleiche sein muss, wenn der Homosexuelle der Bruder oder Freund ist. Und es kann beides eintreffen - Leute können entweder mehr oder weniger voreingenommen sein in einer hypothetischen oder Film-Situation, als sie es in einer Situation wären, die einen Nahestehenden betrifft.


So könnten beispielsweise Deine Eltern oder Freunde ohne darüber nachzudenken, oder weil sie denken, Du würdest das erwarten, über homosexuelle Charaktere in Filmen scherzen - aber weit mehr Einfühlungsvermögen zeigen, wenn es um Dein Coming Out geht. Andererseits könnten Deine Eltern oder Freunde, die sonst schwule Charaktere in den Medien akzeptieren, sehr viel weniger Verständnis haben, wenn eine ihnen nahestehende Person sich zu ihrer Homosexualität bekennt.


Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie jemand reagieren wird, wenn Du ihm sagst, dass Du schwul bist, solltest Du versuchen, Deine Fragen genau, persönlich und provokant formulieren.
Angenommen, Du hast einen Freund, der einen Bruder bei der Bundeswehr hat. Du könntest beispielsweise fragen: "Ich habe über Schwule in der Bundeswehr gelesen. Wärst Du entsetzt, wenn Dein Bruder nach Hause käme und sagen würde 'Ich bin schwul'?" Dein Freund könnte überrascht sein und sagen: "Mein Bruder ist schwul!".

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comingout13
 

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