"Stonewall Inn Bar" in Greenwich Village, dem schwulen Viertel von New York - sicherlich die bekannteste Schwulenkneipe auf der ganzen Welt - Stonewelle wurde nach 1969 zum Symbol einer neuen Bewegung (siehe auch CSD)

Wie soll man eine Schwulenkneipe beschreiben? Schwulenkneipen sind genauso unterschiedlich und vielfältig wie es die ganz normalen  Kneipen auch sind.

Also will ich erst mal den Versuch starten eine ganz normale (Heten-)Kneipe zu beschreiben. Egal ob es sich um die Eckkneipe oder um ein Tanzlokal handelt, alle haben sie eins gemeinsam, wenn man nicht gerade nur ein Bier auf die schnelle trinken möchte, will man etwas ausspannen, sich nett unterhalten; wenn besonderes angesagt ist, z.B. Bundesliga, kann man sich das vielleicht auf einer Großbildleinwand ansehen, vielleicht etwas flirten, vielleicht auch etwas mehr und versuchen die Angebetete mit nach Hause zu nehmen, bis hin zur Familienfeier ist eigentlich alles möglich.

Genau das gleiche gibt es in einer Schwulenkneipe. Der große Unterschied liegt darin, dass man dort überwiegend schwules Publikum vorfindet. Während in einer normalen Heterokneipe ein Mann immer noch großes Aufsehen erregt wenn er seinem Partner die Hand mal auf die Knie legt (Männer dürfen das hier nur bei Frauen ?!?!), ist diese Geste in einer Schwulenkneipe also eher normal. Und auf dem überdimensional großen Fernsehschirm läuft vielleicht nicht unbedingt ein Fußballspiel , sondern vielleicht eher eine “Mister Leather Wahl “oder sonst irgendwelche nackten oder fastnackten Boys. Und wenn Schwule feiern, sieht das sicherlich auch etwas anders aus als eine Kommunionfeier. 

Einige Schwulenkneipen befinden sich direkt in der Fußgängerzone der Innenstadt, im Sommer vielleicht sogar mit Tischen im Freien. Dort sind dann auch öfters Heteros anzutreffen, entweder weil sie sich verlaufen haben oder ganz bewusst dieses Ambiente aufgesucht haben.

Egal, ob Schwul oder Hetero, hier sollten gewisse Regeln eingehalten werden.

Andere Lokalitäten, andere Sitten. Was in der Fußballkneipe um die Ecke richtig ist, kann drei Straßen weiter schon wieder falsch sein. Überall wird ein bisschen anders geredet, geschunkelt und gebaggert. Der Besuch in einer Schwulenkneipe – ob du nun absichtlich oder aus Versehen hineingeraten bist – ist keine Wissenschaft, aber er erfordert einige Grundkenntnisse. Wer die hat, kann viel Spaß haben. Egal ob Junge oder Mädchen, ob Homo oder Hetero.


Für schwule Jungs

1. Jeder hier geht ganz natürlich davon aus, dass du schwul bist. Es besteht also wirklich keine Notwendigkeit, sich durch übertriebene Sprechweise („Toll, toll, toll“) oder Gestik (eigens einstudierte Choreographie fürs Zigarettenanzünden) erst noch zu erkennen zu geben.

2. Es ist nicht schlimm, wenn du dich nicht traust, jemanden anzusprechen. Je verschüchterter du am Tresen stehst, desto mehr Leute werden dich ansprechen. Verschlossene Typen sind gefragt.

3. Mag ja sein, dass deine Eltern es immer noch nicht akzeptieren, dass du schwul bist und dir zu Weihnachten ein Playboy-Abo geschenkt haben. Dass dein ehemals bester Freund dich seit deinem Coming Out nicht mehr umarmen will. Wenn es dir hilft, rede darüber: in einer Therapiegruppe, nicht hier. Denn du willst kein Mitleid, sondern jemanden kennen lernen. Gejammer macht unattraktiv.

4. Niemand wird dir Böses tun, wenn dein Outfit aus den hässlichsten rosa Kleidungsstücken deiner Schwester, einem Kilo Make-up und einer in nächtlicher Selbstverwirklichung selbst gebastelten Federboa besteht. Allerdings wird dir so auch nicht unbedingt jemand etwas Gutes tun. Die meisten hier stehen nämlich auf Männer, die sich geben wie Männer.

5. Halte dich fern von denen, die nur deinen Körper wollen – es sei denn, du willst nur ihre Körper.

 




Für heterosexuelle Jungs

1. Jeder hier geht ganz natürlich davon aus, dass du schwul bist. Wenn du damit nicht klar kommst, bleib besser zu Hause.

2. Großartig, dass du deinen Horizont erweitern und Vorurteile abbauen willst. Trotzdem solltest du deine Begeisterung über die eigene Toleranz in Grenzen halten. Verzichte in Gesprächen auf folgende Worte: „Is’ ja gar nich’ so tuntig hier, ihr seid ja voll normale Typen, echt: Die meisten von euch könnten glatt auch Frauen haben.“

3. Betrachte deinen Aufenthalt als Experiment mit unerhört großem Erfahrungswert. Wolltest du nicht schon immer mal wissen, wie Frauen sich in einer „normalen“ Kneipe/Disko fühlen?

4. Keine Angst vorm Gang zur Toilette. Hier ist noch niemand vergewaltigt worden – jedenfalls nicht gegen seinen Willen.

5. Brich bitte niemandem das Herz. Lass dir dafür von denen, die nur deinen Körper wollen, ein paar Longdrinks oder Cocktails spendieren. Das schont die eigenen Finanzen und verpflichtet zu nichts. Außerdem ist es auch irgendwie verdammt lustig.



Bei heterosexuellen Mädchen

1. Niemand kann sich in einer Schwulenkneipe einfacher und wirkungsvoller beliebt machen als du. In der Mitte des Raumes drei Mal um die eigene Achse drehen, theatralisch auf die Knie sinken und schluchzen: „Warum nur, Gott, warum nur, Jesus, sind alle gut aussehenden Männer schwul? Das ist sooo unfassbar ungerecht.“

2. Langweile niemanden mit der Geschichte, warum du hier bist. Die hat jeder hier schon hundert Mal gehört: Du bist die beste Freundin von dem verschüchterten Typen am Tresen, der noch nicht richtig mit sich klar kommt und sich deshalb allein nicht hergetraut hat.

3. Also sei eine gute beste Freundin und begebe dich unauffällig in die andere Ecke des Raumes, sobald er sich mit einem gut aussehenden Jungen in ein Gespräch vertieft.

4. Genieße die Zeit: Endlich kannst du dich einmal frei unter einem Rudel besoffener Männer bewegen, ohne darauf achten zu müssen, ob jemand seine Hände nicht mehr unter Kontrolle hat.

5. Nutze die Gelegenheit: Nirgendwo anders findest du Kerle, mit denen du dich so offen, detailliert und unverklemmt über Sex unterhalten kannst.


Bei lesbischen Mädchen

1. Reden, lachen, tanzen, singen, springen – in Schwulenkneipen wird viel und ausgelassen gefeiert, was sie auch für dich zu einem wunderbaren Anlaufpunkt für einen lustigen Abend machen.

2. Zum Abschleppen gibt’s leider nicht allzu viel für dich. Die wenigen Mädchen, die da sind, sind meist heterosexuell und nur ihrem schwulen Kumpel zuliebe gekommen. Bring also am besten ein paar lesbische Freundinnen mit. Dann ist der Abend gleich drei Mal so lustig.

3.So schlimm, entwürdigend, hirnverbrannt und ungerecht es ist: Sei gefasst darauf und ärgere dich nicht zu sehr darüber, dass einige Schwule ähnliche Vorurteile gegenüber Lesben haben wie andere Männer (zum Beispiel: „Lesben sehen alle aus wie Angela Merkel – und tanzen auch so“). Mit jemandem, der nicht auf Männer steht, kann aus ihrer Sicht halt irgendetwas nicht in Ordnung sein.

4. Die große Mehrheit der Schwulen ist aber gegen Vorurteile und wird deshalb großzügig darüber hinwegsehen, wenn du und deine Freundinnen einem Typen, der euch blöd kommt, körperliche Schmerzen zufügt. Als Hilfsmittel darf alles verwendet werden, was sich in der nächstliegenden Handtasche findet.

5. Hier kannst du öffentlich mit deiner Freundin knutschen, ohne bei umstehenden Männern pornografische Fantasien auszulösen.

Dass es sich um eine Schwulenkneipe handelt, das ist eigentlich immer an der so genannten Regenbogenflagge  zu erkennen. In irgendeiner Form befindet sie sich immer im Eingangsbereich (siehe auch Gay-Symbole ).

Sehr viele Schwulenkneipen tragen auch deren Namen, z.B.  "Rainbow", "Regenbogencafe" oder ähnliches.

         

Wenn dort gewisse Events statt finden (Travestie-Show, Menstrip, Wahl Mister Gay, oder ähnliches) , ist dies auch meist mit entsprechenden Plakaten oder irgendwelchen anderen Aushängen sichtbar.

Men-Strip, Travestie oder ähnliche Veranstaltungen finden eigentlich in allen Schwulenkneipen statt, in einigen Bars regelmäßig in anderen vielleicht nur zu bestimmten Anlässen wie Karneval, CSD oder Weltaidstag

Oft kann man in diese Kneipen dann auch nicht versehentlich rein geraten, weil die Türen immer verschlossen sind und man nur durch Klingeln eingelassen wird.

In diesen Lokalen befindet sich dann auch oft ein oder mehrere Darkräume .

Wenn es dort besondere Regeln gibt, wird man Dich beim ersten Besuch darauf hinweisen.

Wo es solche Kneipen, Events oder sonstiges in Deiner Nähe gibt, findest du durch anklicken der nachfolgenden Links.

Einfach mal nachschauen ob Deine Stadt dabei ist.

Ansonsten lohnt sich vielleicht die Anschaffung des Spartacus, auf ca 1400 Seiten sind dort weit über 20.000 Einträge, es ist so eine Art schwuler Reiseführer, kostet allerdings so um die 25 Euro. Gibts eigentlich in allen Buchhandlungen und Sex-shops und natürlich im Internet, jährlich komt eine überarbeitete Neuauflage auf den Markt.

 

Eine ganz andere Art von Schwulenkneipe habe ich einmal in der Nähe von Koblenz besucht. Den Tipp und auch deren Homepage hatte ich von einem Bekannten bekommen.

Es war ein etwas abgelegener Bauernhof . Vor der verschlossenen Hofeinfahrt musste man sich schon durch die Sprechanlage anmelden. Dann wurde einem geöffnet, man konnte sein Auto im Hof abstellen, dann wurden wir gleich gefragt, ob wir das erste mal hier seien und wodurch wir davon erfahren hätten. Dann wurde uns auf superfreundliche Art der ganze Hof gezeigt (Duschen, Umkleideraum, Sauna, Spielwiesen, Lederraum mit Slings, Bar etc.). Wir bezahlten unseren Eintritt von 20 Euro und uns wurden Handtuch und Badeschlappen gereicht. Wir waren zwar zu dritt dorthin gefahren (mein Partner und ein Freund von uns), aber selbst wenn man etwas schüchtern ist, kann man da sehr gut alleine hin fahren. Alle waren superfreundlich und wir hatten sehr schnell Kontakt (jeglicher Art) zu allen.

Die einigste Regel war eigentlich, dass man an der Bar (eine Art Partyraum) ein Handtuch mitbringen musste um sich darauf zu setzen. Wohl eher eine Selbstverständlichkeit. Und das man bitte die Kondome (die überall herumlagen) nur hier benutzen möchte, also nicht mit nach Hause nehmen soll.

Nachdem wir uns also ausgezogen hatten, gingen wir erstmal an die Bar, hier waren alle Getränke frei und es gab sogar nett angerichtete Schnittchen.

Mehrere Monitore waren im Haus verteilt, wo man sich davor setzen und Gaypornos ansehen konnte. Aber warum, auf mehreren Ebenen liefen ja Liveaktionen, wo man ungehemmt zugucken oder mitmachen konnte, aber es gab auch versteckter Winkel wenn man nicht unbedingt Zuschauer dabei haben wollte.

Leider musste unser Freund Nachts wieder nach Hause (er war verheiratet) ich hätte gerne die Nacht dort verbracht (was auch möglich gewesen wäre).

 

 

schwulenkneipe


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